Händler treiben Stapler mit Wasserstoff voran

22.11.2018

By Jörg Rode,
Lebensmittel Zeitung 47 vom 23. November 2018, Seite 34.

Frankfurt. Erste Händler in Europa testen Wasserstoff als grünen Antrieb für Gabelstapler und andere Flurförderzeuge. Der französische Supermarktfilialist Grand Frais hat ein ganzes Lager auf Stapler mit Brennstoffzelle umgestellt. Norgesgruppen (Norwegen) erzeugt den Wasserstoff selbst und startet einen Piloten mit Lkw.

Brennstoffzellen könnten ein Antrieb der Zukunft werden. Erste europäische Retailer testen, teils in großem Maßstab. Es geht um kleine Flurförderzeuge wie Gabelstapler und Flitzer im Lager sowie um große Lkw. In Brennstoffzellen erzeugt die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie. Am Einsatzort entsteht Wasser, aber keinerlei Abgas.

Händler sind eine wichtige Zielgruppe für die saubere Antriebstechnik. Das wurde beim Frankfurter Symposium des Clean Intralogistics Net (CIN) deutlich. „Flurförderzeuge mit Brennstoffzellentechnik können die CO2-Emissionen in der Logistik um mindestens 25 Prozent senken. Gleichzeitig erhöhen sie die Produktivität und verringern Lagerfläche und Stapler-Ladezeiten“, sagte bei dem Symposium Wolfgang Axthammer, CIN-Initiator und Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoffund Brennstoffzellen-Technologie (NOW), einer Gesellschaft der Bundesregierung.

Weltweiter Retail-Vorreiter beim Einsatz von Flurförderzeugen mit Brennstoffzelle ist Walmart. Der weltgrößte Handelskonzern hat bereits rund 8 000 Fahrzeuge des US-Herstellers Plug Power im Einsatz und ist im weiteren Rollout. Außerdem hat Walmart eine Option, sich finanziell an dem Maschinenbauer zu beteiligen. Amazon hat einen ähnlichen Deal mit dem Unternehmen. Zu den Kunden zählen in den USA Coca-Cola, Nestlé, Kroger und Home Depot. Auch P&G nutzt dort Plug-Power-Stapler und war mit deutschen Mitarbeitern bei CIN vertreten.

Europa hinkt hinterher. Vorreiter ist Frankreich 140 Vehikel fahren für Carrefour, 75 für den Frische-Filialisten Grand Frais und 20 für Ikea France. In Belgien nutzt Colruyt 75 Fahrzeuge im Verteilzentrum Dassenveld. Bei CIN sprach Grand-Frais-Manager Philippe Giroux von einer „ausgereiften Lösung“. Giroux ist Chef von Prelocentre, der Logistik-Tochter von Grand Frais. Das Unternehmen hat sein 10 000-qm-Distributionszentrum in Saint-Cyr-en-Val vollständig auf Wasserstoffantrieb umgestellt. 75 Gabelstapler und Flitzer (Elektro-Stand- Geräte) bewegen hier 220 000 Tonnen Obst und Gemüse pro Jahr. Die Fahrzeuge des Herstellers Jungheinrich mit Brennstoffzellen von Plug Power haben bereits 350 000 Betriebsstunden hinter sich, erläuterte Giroux. Das Nachtanken mit Wasserstoff dauere in der Praxis nur 2 bis 3 Minuten. Prelocentre gehe davon aus, dass die Zellen eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren haben. Eine Voraussetzung für den ökonomischen Einsatz seien relativ große Flotten sowie Zwei- oder noch besser Drei-Schicht- Betrieb, um die Wasserstoff-Infrastruktur zu amortisieren.

Der umsatzstärkste norwegische LEH-Konzern Norgesgruppen ist ebenfalls einer der Vorreiter. Das Unternehmen mit über 1800 Märkten hat sich zum Ziel gesetzt, seine Lkw- Flotte langfristig auf Batterie- und Wasserstoff-Antrieb umzustellen. Die Logistik- und Großhandelstochter Asko hat ihr 27 000 qm großes Regionallager Trondheim Ende 2016 mit einer Wasserstoff-Produktionsanlage ausgestattet, die Energie aus Solarzellen bezieht. Seit 2017 sind in dem Lager zwei Schubmaststapler und acht Flitzer von Toyota mit Brennstoffzellen von Plug Power unterwegs. Sie bewähren sich auch im TK-Lager bei minus 25 Grad, sagt Asko-Manager Jørn Endresen. Neun weitere Flitzer seien bestellt, diesmal bei Jungheinrich.

Im nächsten Schritt will Asko noch im Dezember einen Brennstoffzellen- Lkw von Scania (Volkswagen Konzern) in den Testbetrieb nehmen. Drei weitere sollen bis März folgen. Asko ist der erste Anwender dieser 26-Tonner-Prototypen. Wasserstoff- Laster nutzt in Europa bisher nur Coop (lz 16-18 ). Die Schweizer fahren seit 2017 einen 34-Tonner des Startups Esoro. In der Praxis liegt die Reichweite laut Coop-Manager Beat Hirschi bei bis zu 400 km. Bis Ende 2019 will Coop fünf Brennstoffzellen-Trucks unterschiedlicher Hersteller auf den Straße haben.

rod/lz 47-18