Mit der Kraft des Wasserstoffs: Toyota präsentiert in Herbornseelbach einen Brennstoffzellen-Stapler

10.10.2018

Die Rede ist von der Brennstoffzelle – eine seit 180 Jahren bekannte Technologie, die das Potenzial hat, gleich mehrere Probleme der weiter zunehmenden Mobilität zu lösen. Anders als beim Verbrennungsmotor belastet die Brennstoffzelle nämlich die Umwelt nicht: Als Abfallprodukt entsteht Wasser, aus dem durch die Elektrolyse wieder Wasserstoff gewonnen werden kann, der den Brennstoff für die Brennstoffzelle darstellt. Wasser ist also Ausgangsstoff und Abfallprodukt in einem.

Christian Friedrich Schönbein entdeckte 1838 das Verfahren. Der Autohersteller Toyota brachte mit dem Mirai 2014 das erste Brennstoffzellen-Auto in Großserie auf den Markt. Weiter als die Autoproduzenten sind allerdings die Kollegen von der Gabelstapler-Fraktion. Ein solches mit einer Brennstoffzelle angetriebenes Flurförderzeug – so der Sammelbegriff für die tonnenschweren Kraftmeier – präsentierte Toyota dieser Tage bei der Herbornseelbacher Firma Schaaf.

Die Amerikaner – dank ihres aktuellen Präsidenten nicht gerade als Vorreiter in Sachen Umweltschutz bekannt – haben hier die Nase vorn. Rund 19000 Brennstoffzellen-Gabelstapler sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon im Einsatz. „Wir haben es hier mit einer ausgereiften Technik zu tun“, erklärt Kai Hesse, Leiter Produktmanagement bei Toyota. Die Fahrzeuge werden in den USA steuerlich begünstigt, was den etwas höheren Anschaffungspreis weitgehend ausgleicht. In Deutschland werden Ende des Jahres etwa 100 dieser Stapler in Betrieb sein. Auch die Brennstoffzellen selbst kommen aus den USA, die Firma Plug Power ist derzeit noch Monopolist.

Mit der Füllung von 1,8 Kilogramm Wasserstoff im Tank schafft der Stapler eine 8-Stunden-Schicht

In der praktischen Anwendung zeigen sich schnell die Vorteile des Antriebs auch im Vergleich zu herkömmlichen Elektro-Gabelstaplern. Deren tonnenschwere Batterien benötigen acht bis zehn Stunden Ladezeit – die Betankung des Brennstoffzellers mit Wasserstoff dauert drei bis fünf Minuten, also etwa so lange wie ein mit Diesel oder Benzin betriebener Motor. 1,8 Kilogramm Wasserstoff passen in den Tank, in dem dann ein Druck von rund 350 bar herrscht – also etwa halb so viel wie im Mirai. Mit einer Tankfüllung kann der Brennstoffzellen-Stapler eine Acht-Stunden-Schicht lang eingesetzt werden.

„In zehn Jahren rechnet sich der Invest“, versichert Hesse und hofft, dass auch hierzulande die Politik die Vorteile der Technologie erkennt und durch Förderungen zu einer schnelleren Verbreitung beiträgt. Die CO2-Reduktion des alternativen Antriebs ist der Pluspunkt in der Klimabilanz, die freilich nur dann wirklich gut ausfällt, wenn der Strom, der für die Trennung von Wasserstoff und Sauerstoff bei der Elektrolyse benötigt wird, regenerativ gewonnen wird. Eine Kooperation mit Windparks böte sich gewissermaßen an. Wenn gerade an Wochenenden mehr Ökostrom produziert wird als gerade gebraucht wird, könnte mit ihm Wasserstoff gewonnen werden.