Norddeutsche Wirtschaft setzt auf Wasserstoffkurs

19.09.2019

Flurförderzeuge mit Brennstoffzelle sind interessante Alternative zu konventionellen Antrieben – CIN-Studie beleuchtet den potenziellen Markt

Wirtschaftsreporter, Welt online

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (l.) und Flughafenchef Michael Eggenschwiler im neuen Gepäckschlepper mit Wasserstoffantrieb am Hamburg Airport

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (l.) und Flughafenchef Michael Eggenschwiler im neuen Gepäckschlepper mit Wasserstoffantrieb am Hamburg Airport. Quelle: Michael Penner

Die norddeutsche Wirtschaft unterstützt die Politik der Küstenländer dabei, ein klimaschonendes Versorgungssystem zu etablieren. Das soll die Region ökologisch wie auch ökonomisch voranbringen.
Die norddeutschen Handelskammern unterstützen die Regierungen der Küstenländer dabei, die Nutzung von Wasserstoff stark auszubauen. Wasserstoff – erzeugt vor allem mithilfe von Wind- und Solarstrom – gilt als universeller Energiespeicher, mit dem die Energiewende in Deutschland vorangetrieben werden kann. Norddeutschland will dabei – wegen des hohen Aufkommens an Windstrom – eine Vorreiterrolle einnehmen.

Die IHK Nord, das Netzwerk der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern, übergab Hamburgs Wirtschafts- und Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Mittwoch ein Positionspapier zum Ausbau der Wasserstoffwirtschaft. Darin fordern die Kammern unter anderem, Wasserstoff künftig flächendeckend in der Mobilität einzusetzen und die dafür nötige Infrastruktur zu schaffen – auch als Alternative zur Elektromobilität auf der Basis von Batteriespeichern. Zugleich drängen die Kammern darauf, jenen Strom von Umlagen zu befreien, der zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt wird. Bislang ist die Elektrolyse von Wasserstoff mithilfe von Ökostrom auch deshalb noch zu teuer, weil der Strompreis die EEG-Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien enthält.

„Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich zweifellos in Norddeutschland und wird ohne Wasserstoff nicht möglich sein“, sagte Friederike Kühn, Vorsitzende der IHK Nord, bei der Übergabe des Positionspapiers am Flughafen Hamburg. „Wasserstoff ist der technologische Game-Changer, und wir im Norden wollen diese Chance nutzen.“ Senator Westhagemann setzt sich selbst stark für das Thema ein. Er koordiniert dazu auch die Politik der fünf Küstenländer. „Der Aufbau einer innovativen, grünen Wasserstoffwirtschaft hat außer der ökologischen Bedeutung auch eine wesentliche ökonomische Dimension für Norddeutschland“, sagte er. „Die Etablierung neuer Wertschöpfungsketten wird zu neuen Geschäftsfeldern bei Bestandsunternehmen, Neuansiedlungen von Unternehmen und Unternehmensgründungen in der Region führen. Der Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft ist eine wirtschafts- und strukturpolitische Chance. Die werden wir zügig ergreifen und mit Nachdruck vorantreiben.“

Gemeinsam mit Friederike Kühn und mit Diana Rickwardt, Vizepräses der Handelskammer Hamburg, sah sich Westhagemann einen neuen Gepäckschlepper aus der Fahrzeugflotte von Hamburg Airport an, der von einer Wasserstoff-Brennstoffzelle angetrieben wird. Auch eine mobile Tankstelle für Wasserstoff hat der Flughafen neuerdings. Wasserstofffahrzeuge sollen dazu beitragen, das der Hamburger Flughafen in seinem Eigenbetrieb von 2021 an klimaneutral arbeiten kann. „Wir freuen uns sehr, dass unser Engagement auf lokaler, norddeutscher und bundespolitischer Ebene dem Wasserstoff jetzt politisch zum Durchbruch verhilft“, sagte Flughafenchef Michael Eggenschwiler, der zugleich auch Vorsitzender der Hamburger Wasserstoff-Gesellschaft ist. „Der windreiche Norden übernimmt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende und dem Klimaschutz.“

Die Bundesregierung will am Freitag ihre lange erwartete Klimastrategie vorstellen. Sie soll dazu dienen, die seit Jahren in Deutschland stagnierenden Emissionen klimarelevanter Gase deutlich schneller zu senken und die Energiewende weiter voranzubringen. Die Nutzung von Wasserstoff bietet sich dafür an, weil das farb- und geruchlose Gas in praktisch unbegrenzter Größe gespeichert werden kann – in reiner Form oder auch als Beimischung zum Erdgas. Mit der Kombination von Wasserstoff und Sauerstoff kann in Brennstoffzellen Strom und Wärme erzeugt werden, es ist der umgekehrte Prozess zur Elektrolyse. Aus der Verbindung von Wasserstoff und Kohlendioxid wiederum lassen sich synthetische Kraftstoffe herstellen, im Prinzip künstlich erzeugtes Benzin, Diesel oder Kerosin. Solche Kraft- und Brennstoffe können Energieträger aus natürlichem Erdgas und Erdöl langfristig ersetzen.

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Weitere TV-Reportage und Artikel über die Entwicklung von Brennstoffzellen-Systemen und Wasserstoff-Nutzung an Flughäfen.

Die CIN-Partner PlugPower und Linde Gas stellen in Hamburg einen Gepäckwagen mit Wasserstoffantrieb und eine mobile Wasserstofftankstelle vor.

Norddeutschlands Vorreiterrolle als Wasserstoffregion  Am 2.Mai 2019 haben sich die fünf norddeutschen Bundesländer auf Eckpunkte einer norddeutschen Wasserstoffstrategie verständigt, die bis Ende 2019 ausgearbeitet und politisch beschlossen werden soll.Norddeutschland wird in den Eckpunkten als prädestinierte Region für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft gesehen, die eine wirtschafts-und strukturpolitische Chance bietet, die zügig ergriffen werden müsse

> Link “Positionspapier zu den Eckpunkten einer norddeutschenWasserstoff-Strategie”